Wirksamkeit und volkswirtschaftlicher Nutzen

Eine empirische Analyse der Deutschen Rentenversicherung zu Beschäftigungseffekten der Rehabilitation in Deutschland

Die Rehabilitation im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung hat das Ziel der Wiederherstellung bzw. des Erhalts der Erwerbsfähigkeit, mithin also die Sicherstellung beruflicher Teilhabe. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen verweisen auf wachsende Bedarfe an Erwerbspersonen. Rehabilitationsleistungen sind eine sinnvolle Unterstützung: Sie beeinflussen das Erwerbspersonenpotenzial positiv; im individuellen Fall sorgen sie für finanzielle und soziale Absicherung. Dies unterstreicht die Notwendigkeit kosteneffektiver Reha-Strategien. Mithilfe innovativer Modelle und auf der Basis repräsentativer Daten der Rentenversicherung zeigt der vorliegende Bericht, dass die Rehabilitation der Rentenversicherung die Erwerbschancen bei ihren Versicherten um 15 bis 20 Prozentpunkte erhöht. Die volkswirtschaftlichen Gewinne liegen zwei Jahre nach Rehabilitation bei 19,3 Mrd. bis 21,7 Mrd. Euro. Damit rentieren sich die Ausgaben für Rehabilitation um das zwei- bis dreifache im ersten Jahr und das fünffache in den ersten zwei Jahren. Die Rehabilitation der Rentenversicherung rechnet sich also. Investitionen in die Rehabilitation amortisieren sich für die Gesellschaft bereits nach kurzer Zeit. 

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) hat den gesetzlichen Auftrag, die Teilhabe am Arbeitsleben zu fördern. Hierfür stehen medizinische Reha-Leistungen und nachgehende Leistungen sowie Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zur Verfügung. Bisherige Befunde deuten an, dass die Rehabilitation in Deutschland eine wirksame Intervention ist. Der vorliegende Beitrag hat das Ziel, dies auf Basis repräsentativer DRV-Daten zu bestätigen. Die Inanspruchnahme einer medizinischen Rehabilitation wird, da sie grds. in allen Fallgestaltungen auftritt, als Repräsentation für individuelle Reha-Prozesse im Auftrag der Rentenversicherung verstanden. Die Wirksamkeit dieser Reha-Prozesse wird in Bezug auf die Erhöhung der Erwerbschancen sowie den sich ergebenden volkswirtschaftlichen Nutzen geprüft. Die Analysen umfassen Personen mit einer abgeschlossenen medizinischen Rehabilitation. Anschlussrehabilitation wurden ausgeschlossen.1 

Analysen zur Wirksamkeit 
Modell 1: Target Trial Emulation (TTE) Modelle 
Das Ziel des TTE-Modells ist es, Beobachtungsstudien so zu gestalten, als handele es sich um randomisierte kontrollierte Studien. Typische Verzerrungen lassen sich so vermeiden und kausale Effekte präziser schätzen. Für die Untersuchung wurden alle Personen berücksichtigt, die im Jahr 2016 eine medizinische Rehabilitation beantragt haben. Für die Analyse wurde der Datensatz dupliziert, wobei in einem der beiden Datensätze im Verlauf alle Personen zensiert wurden, die eine Reha in Anspruch nahmen (Kontrolle) und im anderen alle Personen, die ein Jahr nach Antragstellung noch immer keine Reha in Anspruch genommen hatten. 
Während der Reha waren die Beschäftigungschancen vergleichbar. Bereits nach einem Monat wird ein kleiner Effekt von fünf Prozentpunkten zugunsten der Reha-Gruppe beobachtet. Sechs bis zwölf Monate nach Beobachtungsbeginn liegen die Effekte im Mittel bei rund 20 Prozentpunkten. Im weiteren Nachbeobachtungszeitraum reduziert sich der Effekt wieder auf knapp 15 Prozentpunkte. 

Modell 2: Fixed Effects Individual Slopes (FEIS) Modelle 
FEIS-Modelle identifizieren den Rehabilitationseffekt durch den Vergleich der Beschäftigungschance bei denselben Personen in verschiedenen Phasen des Rehabilitationsprozesses. Als Datengrundlage wurden alle Personen mit einer abgeschlossenen medizinischen Reha in 2017 verwendet. Eine Vergleichsgruppe von Versicherten ohne Rehabilitation diente der Kontrolle von Alters- und Periodeneffekten. 
In den Monaten vor der Rehabilitation ist eine graduelle Verschlechterung der Beschäftigungswahrscheinlichkeit zu beobachten, was als stärker werdende Teilhabestörung interpretiert werden kann. Bereits einen Monat nach Ende der Rehabilitation erhöht sich die Wahrscheinlichkeit wieder um acht Prozentpunkte. Zwei bis drei Monate nach Reha-Ende steigt sie um zwölf Prozentpunkte an und bleibt in den folgenden Monaten weitgehend auf einem Niveau von etwa 15 Prozentpunkten stabil. 

Analysen zur Wirksamkeit der Rehabilitation der Rentenversicherung 
Die Erhöhung der Erwerbswahrscheinlichkeit geht einher mit einer Steigerung der Bruttowertschöpfung (BWS, durch Produktivitätsgewinne und Konsum des Erwerbsentgeltes) sowie eine Einsparung von Transferzahlungen. Zur Operationalisierung der BWS sowie der Transferleistungen wurden Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) aus ihrem Bericht zur volkswirtschaftlichen Bewertung der Arbeitsunfähigkeit verwendet. Danach lag die BWS im Jahr 2023 bei 249 Euro sowie die Lohnkosten bei 144 Euro pro Tag. Vermiedene Transferzahlungen wurden als Anteil von 70 Prozent der Lohnkosten angenommen. Dem stehen die Ausgaben für Rehabilitation gegenüber. In 2017 schlossen 618.700 Personen eine medizinische Rehabilitation ab (exkl. Anschlussrehabilitation); hierfür verausgabte die Rentenversicherung etwa 4,1 Mrd. Euro.

Zur Nutzenbetrachtung der Rehabilitation wurden die kalkulierten monetären Gewinne in das Verhältnis zu den Aufwendungen gesetzt. Das sich ergebende Verhältnis aus Kosten und Effekten gibt den Return on Investment (ROI) an. Der ROI definiert, welchen volkswirtschaftlichen Nutzen ein Euro Investition in die Rehabilitation für die Gesellschaft erzeugt. 
Aus den empirischen Analysen der beiden Modelle ergeben sich im Jahr nach der Rehabilitation Gewinne von 9,3 Mrd. Euro (FEIS) bzw. 12,1 Mrd. Euro (TTE). Nach zwei Jahren erhöhen sich die Gewinne auf 19,3 Mrd. Euro bzw. 21,7 Mrd. Euro. Daraus ergeben sich ROI von 2,22 € bzw. 2,95 € im ersten Jahr und 4,60 € bzw. 5,28 € nach zwei Jahren.

Volkswirtschaftlicher Nutzen der Rehabilitation der Rentenversicherung 
Die repräsentative Analyse belegt erstmalig den volkswirtschaftlichen Nutzen der Rehabilitation im Auftrag der Rentenversicherung. Die Erwerbschancen verbessern sich nach einer medizinischen Rehabilitation um 15 bis 20 Prozent. Eingesetzte finanzielle Mittel rentieren sich innerhalb kurzer Zeit: Bereits ein Jahr nach der Rehabilitation zahlt sich diese doppelt bis dreifach, nach zwei Jahren gar fünffach für die Gesellschaft aus. Rehabilitationsstrategien sind also eine lohnenswerte soziale Invesitition in das Humankapital einer Gesellschaft. 
In die Analysen wurden alle Personen mit einer medizinischen Rehabilitation integriert. Damit erfolgt die Effektschätzung für alle Reha-Prozesse, also sowohl die isolierte Inanspruchnahme der medizinischen Rehabilitation als auch komplexere Reha-Prozesse inklusive nachgehender Leistungen oder auch Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Dies ist eine Stärke der Studie, da auf dieser Basis der gesellschaftliche Nutzen der Rehabilitation von Menschen mit chronischen Erkrankungen insgesamt dargestellt wird. 
 

Marco Streibelt, Nico Seifert Dezernat Reha-Wissenschaften, 
Ellen von den Driesch, Daniel Brüggmann Dezernat Forschung, Forschungsdaten und Forschungsförderung zur Alterssicherung

Fußnote: 
1 Der Effekt von Anschlussrehabilitationen lässt sich methodisch nicht vom Effekt der vorhergehenden akutmedizinischen Behandlung isolieren. Daher wurden diese Fälle nicht in die Betrachtung integriert.