Informationen zur Erhebung & Stichprobenbeschreibung

Allgemeines zur Befragung

Die Befragung „Bestandsaufnahme Long COVID - Auswirkungen auf Rehabilitation und Teilhabe“ wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) auf Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) durchgeführt. Es handelt um eine explorative Studie, die erste Einblicke in die rehabilitative Versorgungslage von Long COVID-Patientinnen und -Patienten ermöglicht. Zur Definition von „Long COVID“ im Rahmen der Untersuchung, siehe das Kapitel Untersuchungsgegenstand.

Die Abfrage erfolgte als quantitative Erhebung bei den Leistungserbringern der medizinischen Rehabilitation. Sie wurde als Online-Befragung mit der Umfrage-Software SoSci Survey durchgeführt. Adressaten der Befragung waren alle Reha-Einrichtungen, die im Reha-Einrichtungsverzeichnis der BAR gelistet sind. Dabei handelt es sich um 1.080 ausschließlich stationäre medizinische Reha-Einrichtungen mit oder ohne ambulante Behandlungsplätze. Zusätzlich wurden Verbände der Leistungserbringer auf die Befragung aufmerksam gemacht.

Die Teilnahme an der Befragung war freiwillig. Bei den erhobenen Daten handelt es sich um Selbstangaben und -einschätzungen der Reha-Einrichtungen. Adressiert waren insbesondere die ärztlichen Leitungen der Reha-Einrichtungen.

Der Befragungszeitraum betrug drei Wochen. Die Befragung startete am 13.09.2021 und endete am 01.10.2021.

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass sich die Antworten der Reha-Einrichtungen auf Erfahrungen stützen, die bis zur Erhebung gemacht wurden und sie sich auf die Gegebenheiten beziehen, die zum Zeitpunkt der Erhebung vorlagen.

Hinweis zur Zitierweise:
Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V. (BAR). Bestandsaufnahme zu Long COVID in der medizinischen Rehabilitation: Ergebnisse einer quantitativen Befragung, 2021. Online-Publikation. Frankfurt/Main, Oktober 2021.

Der Fragebogen

Der Fragebogen zur Bestandserhebung von Auswirkungen von Long COVID auf die medizinische Reha in Deutschland wurde von der BAR erstellt. Er umfasst unterschiedliche Themenblöcke, die abhängig vom Antwortverhalten der Befragten angezeigt oder ausgeblendet wurden. Der Fragebogen umfasste somit zwischen 3 und 12 Seiten. Die Beantwortung des Fragebogens beanspruchte in den meisten Fällen weniger als 15 Minuten.

Die Fragestellungen waren nach folgenden Themen gegliedert:

  1. Vortext/Informationen zur Befragung inkl. Hinweisen zum Datenschutz
  2. Allgemeine Merkmale der Reha-Einrichtung
  3. Fragen zur Long COVID-Rehabilitation in der Reha-Einrichtung / alternative Fragen für Einrichtungen, die keine Reha bei Long COVID anbieten
  4. Fragen zu Fallzahlen, Kapazitäten & Voraussetzungen für die Reha bei Long COVID
  5. Fragen zu Behandlungskonzepten für Long COVID
  6. Patienten- und Symptomstruktur der Long COVID-Rehabilitanden in der Reha-Einrichtung (aggregiert)
  7. Fragen zur rehabilitativen Behandlung bei Long COVID in der Reha-Einrichtung
  8. Fragen zum Reha-Erfolg bei Long COVID
  9. Fragen zu der Rehabilitation vor- und nachgelagerten Behandlungsstrukturen bei Long COVID
  10. Kontaktdaten der Reha-Einrichtung und Dank

Die befragten Reha-Einrichtungen wurden durch die Fragebogenkonstruktion zu den für sie relevanten Fragen geleitet. Nichtzutreffende Fragen konnten von den Reha-Einrichtungen übersprungen werden (Filterführung). Für Reha-Einrichtungen, die keine Long COVID-Rehabilitanden behandeln, umfasste das Frage-Set 14 Fragestellungen. Reha-Einrichtungen, die Long COVID -Rehabilitanden aufnehmen, erhielten ein Frage-Set im Umfang von 59 Einzel-Fragestellungen.

Die Beantwortung erfolgte entweder durch Auswahl einer zutreffenden Antwortoption, Zustimmungsgrade auf einer Likert-Skala, Reihungsangaben oder in Form von Klartext-Antworten oder freitextlichen Zahlenangaben.

Untersuchungsgegenstand

Die Befragung bezieht sich auf gesundheitlichen Langzeitfolgen von COVID-19. Darunter fallen, entsprechend der Definition des RKI, Anzeichen und Symptome, die sich während oder nach einer COVID-19-Erkrankung entwickeln, längere Zeit anhalten und nicht durch eine anhaltende Infektion (PCR nachgewiesen) oder alternative Diagnose erklärt sind. Menschen, die nach einer COVID-19-Erkrankung an so definiertem Long COVID leiden, sind nicht ansteckend. In der Fachwelt werden die folgenden Bezeichnungen verwendet: Long COVID, Post COVID, chronisches COVID-19-Syndrom oder postakutes COVID-Syndrom. Die Bezeichnungen werden in der Fachöffentlichkeit bisher nicht einheitlich definiert oder voneinander abgegrenzt (Informationen des RKI, Stand 23.07.2021).

Hinweis: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 06. Oktober 2021 eine Definition von „Post COVID-19“ mit Hinweis auf mögliche Modifikationen veröffentlicht. Diese lag zum Zeitpunkt der Erhebung noch nicht vor und konnte deshalb keinen Eingang in die Bestandsaufnahme finden (Link zur WHO-Veröffentlichung).

Zu beachten ist auch die im Januar 2021 eingeführte relevante ICD-10-GM-Verschlüsselung: U09.9! Post-COVID-19-Zustand, nicht näher bezeichnet. Im Fragebogen wird der Einfachheit halber die Bezeichnung Long COVID verwendet.

Ziel der Bestandsaufnahme ist, Auswirkungen von Long COVID auf den Versorgungsbereich der stationären medizinischen Rehabilitation zu erheben. Zu beachten ist, dass die sogenannte Frührehabilitation (Phase B) einen Teil der Akutbehandlung darstellt und in der Regel schon während der stationären Krankenhausbehandlung stattfindet. Dieser Versorgungsbereich wird von dieser Erhebung daher nicht abgedeckt.

Beschreibung der Stichprobe

Um möglichst viele der Reha-Einrichtungen in Deutschland bei der Erhebung einzubeziehen, wurden alle Einrichtungen im Reha-Einrichtungsverzeichnis der BAR direkt angeschrieben. Dabei handelt es sich um insgesamt 1.080 stationäre Rehabilitationskliniken mit und ohne ambulante Behandlungsplätze. Zusätzlich wurde über mehrere Leistungserbringer-Verbände für eine Teilnahme an der Erhebung geworben.

Insgesamt wurde der Fragebogen 524 Mal aufgerufen. Im Zuge der Datenbereinigung wurden 186 Datensätze aus der Analyse ausgeschlossen: In 49 Fällen wurde der Datenverarbeitung nicht zugestimmt. 22 Fälle wurden ausgeschlossen, da es sich um mehrfache Datensätze einzelner Einrichtungen handelte. 75 Einrichtungen machten keine Angabe dazu, ob Rehabilitation für Menschen mit Long COVID angeboten wird. Schließlich wurde die Analyse auf stationäre Reha-Einrichtungen beschränkt. Im Ergebnis liegen 338 Fälle zur Auswertung vor.

Die zustande gekommene Stichprobe ist keine Zufallsstichprobe, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass Einrichtungen mit bestimmten Eigenschaften eher an der Erhebung teilnehmen als andere.

In den folgenden Analysen variieren die Fallzahlen, da Fragebögen selten vollständig ausgefüllt werden. Deshalb wird je nach Fragestellung und Auswertung wird die Anzahl der zugrundeliegenden Einrichtungen, die diese Frage beantwortet haben, ausgewiesen.

Einordnung der Stichprobe

Zur Einordnung und Beurteilung der Repräsentativität der erhobenen Daten erfolgt ein Vergleich der Stichprobe mit den „Grunddaten der Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen“ (Destatis, 2021) sowie der den Daten der Einrichtungen im Reha-Einrichtungsverzeichnis der BAR.

Zur Einordnung des Umfangs der Stichprobe wird die Anzahl der Einrichtungen, die an der Erhebung teilgenommen haben und in die Analyse eingeschlossen wurden sowie die von ihnen angegebenen Bettenzahlen mit der Destatis-Statistik und dem REV der BAR verglichen.

Dabei enthält die Statistik zu den „Grunddaten der Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen“ (Destatis, 2021) neben Rehabilitationseinrichtungen auch reine Vorsorgeeinrichtungen, was die geringfügige Differenz in der Anzahl der gelisteten Einrichtungen erklären könnte.

Der Vergleich zeigt, dass 31% aller im REV aufgeführten stationären medizinischen Einrichtungen an der Erhebung teilgenommen haben. Auf diese Einrichtungen entfallen insgesamt rund 55.000 Betten, was einem Drittel aller Reha-Betten im REV entspricht. Im Durchschnitt sind die Einrichtungen in der Stichprobe etwas größer (gemessen an der Bettenzahl) als die Einrichtungen im REV und der Destatis-Statistik.

Verteilung auf die Bundesländer

Die Einrichtungen in der Stichprobe verteilen sich auf alle Bundesländer außer Hamburg. Die Anteile entsprechen dabei im Wesentlichen den Anteilen in der Destatis-Statistik und der Verteilung im REV. Dies zeigt, dass die Stichprobe auch in ihrer räumlichen Verteilung auf das Bundesgebiet im Wesentlichen mit der Verteilung aller Reha-Einrichtungen in Deutschland übereinstimmt.

Trägerschaft

Auch die Art der Trägerschaft wurde erhoben, um einen Vergleich zur Destatis-Statistik zu ermöglichen. Die Verteilungen unterscheiden sich nicht grundlegend, was ebenfalls zeigt, dass die Stichprobe in ihrer Struktur der Gesamtheit der Reha-Einrichtungen in Deutschland sehr ähnlich ist. Der Anteil von Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft zeigt nur leichte Abweichungen, während der Anteil an Einrichtungen in freigemeinnütziger Trägerschaft in der Stichprobe leicht unterrepräsentiert ist. Im Vergleich zu den Grunddaten von Destatis sind Einrichtungen in privater Trägerstruktur leicht überrepräsentiert.

Fachabteilungen

Um zu prüfen, mit welchen Anteilen Einrichtungen mit bestimmten Fachabteilungen in der Stichprobe repräsentiert sind, wird verglichen, wie viele der Einrichtungen in der Stichprobe eine bestimmte Fachabteilung aufweisen und wie viele der Einrichtungen im REV die entsprechenden Indikationsbereiche abdecken.

Gelistet sind alle Fachabteilungen, die von mindestens 10% der Einrichtungen angegeben wurden, die an der Erhebung teilgenommen haben. Ein entsprechender Vergleich mit den Grunddaten der Vorsorge—und Reha-Einrichtungen von Destatis (2021) ist nicht möglich, da die Statistik die Häufigkeit bestimmter Fachabteilungen nicht ausweist.

Die Tabelle zeigt, dass die Häufigkeiten der erfassten Fachabteilungen i.d.R. den Auftretenshäufigkeiten im REV entsprechen. Mit Ausnahme von Fachabteilungen zur Behandlung von Sucht und Abhängigkeit ist eine leichte Überrepräsentation der einschlägigen Fachabteilungen festzustellen. Fachabteilungen, die aufgrund ihrer medizinisch-therapeutischen Ausrichtung dazu geeignet sind, die einschlägigen typischen Symptom-Cluster von Long COVID-Patienten zu behandeln, sind häufiger in der Erhebung vertreten als im REV, z.B. Neurologie, Pneumologie oder Kardiologie.

Fazit

Obwohl es sich bei dieser Erhebung um eine Teilstichprobe des Reha-Einrichtungsverzeichnisses der BAR handelt, zeigt die Stichprobe hohe strukturelle Übereinstimmungen mit der Einrichtungsstruktur der „Grunddaten der Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen“ (Destatis, 2021)  sowie der Gesamtheit der Einrichtungen im REV.

Eine Bestandsaufnahme zur rehabilitativen Versorgungslage von Long COVID-patientinnen und -patienten ist damit möglich.

Inhaltliche Ergebnisse der Bestandsaufnahme finden Sie ab sofort im Themenblock zur Aktuellen Situation: Long COVID in medizinischen Reha-Einrichtungen. Weitergehende Ausführungen zu Limitationen und Chancen der Bestandsaufnahme werden im dritten Themenblock veröffentlicht, der Mitte November auf der Website der BAR verfügbar sein wird.

Inhaltsübersicht

 

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