Editorial Reha-Info 03/2026

Liebe Leserin und lieber Leser,
Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland steigt seit Jahren deutlich, gleichzeitig nehmen auch die Ausgaben für Rehabilitation zu. Beide Systeme stehen damit unter Druck – finanziell, organisatorisch und personell. Umso dringender ist die Frage, wie Rehabilitation und Pflege besser zusammenwirken können.
Dabei könnten beide Bereiche ein echtes „Dreamteam“ sein: Rehabilitation zielt auf die Wiederherstellung oder den Erhalt von Selbstständigkeit, Pflege unterstützt dort, wo dauerhafte Einschränkungen bestehen. Reha spielt aber auch bei bestehendem Pflegebedarf eine wichtige Rolle – etwa um Fähigkeiten zu erhalten, Selbstständigkeit zu fördern oder Verschlechterungen vorzubeugen. Gelingt die Verzahnung, lassen sich Pflegebedürftigkeit vermeiden oder verzögern, Übergänge nach Krankenhausaufenthalten verbessern und Versorgungslücken schließen. Für die Betroffenen bedeutet das mehr Teilhabe und Lebensqualität.
Zwar gilt der Grundsatz „Reha vor Pflege“, doch in der Praxis bestehen deutliche Umsetzungslücken. Seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017 ist die Zahl der Pflegebedürftigen gestiegen, während Rehabilitationsleistungen weitgehend stagnieren. Hinzu kommt ein struktureller Aspekt: Krankenkassen finanzieren Rehabilitation, profitieren aber oft nicht direkt von Einsparungen in der Pflegeversicherung. Diese Trennung von Aufwand und Nutzen erschwert konsequente Steuerungsimpulse.
Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigte auch das diesjährige BAR-Fachgespräch. Unter dem Leitgedanken „A trifft B“ kamen erstmals gezielt Akteurinnen und Akteure aus Rehabilitation und Pflege zusammen, um Schnittstellen, Übergänge und gemeinsame Herausforderungen zu diskutieren. Deutlich wurde: Menschen mit Behinderung, mit Pflegebedarf oder gesundheitlichen Einschränkungen sind häufig auf Leistungen aus beiden Bereichen angewiesen. Umso wichtiger sind abgestimmte Prozesse, frühzeitige Bedarfserkennung und eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Die Beiträge und Diskussionen des Fachgesprächs zeigten, wo Kooperation bereits gelingt, wo Brüche bestehen, und welche Ansätze helfen können, Rehabilitation und Pflege besser miteinander zu verzahnen.
Herzliche Grüße und alles Gute für Sie
Ihre Gülcan Miyanyedi
