Reha und Pflege gemeinsam im Blick: Das BAR-Fachgespräch 2026

Fachveranstaltung bot Raum für sektorenübergreifenden Austausch und sendet Signale für Reformen

Wie lassen sich Rehabilitations- und Pflegeleistungen in Deutschland besser miteinander verzahnen? Eine von vielen Fragen, zu der am 28. und 29. April rund 100 Teilnehmende beim BAR-Fachgespräch 2026 "Reha trifft Pflege – gemeinsam für eine ganzheitliche Versorgung“ in Kassel den Austausch suchten.

Fachkräfte aus Reha und Pflege sowie Expertinnen und Experten aus Praxis, Politik und Wissenschaft diskutierten intensiv darüber, wie die Versorgung von Menschen mit komplexen Unterstützungsbedarfen verbessert werden kann. Eingeladen hatte die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR), die mit der Veranstaltung den Raum sowie themenbezogene Anlässe für den Austausch zwischen zwei Systemen schaffen wollte. 

Reha & Pflege: Schnittstellen im Fokus

Bedeutung guter Versorgung

Es ging also um unterschiedliche Perspektiven auf zwei Systeme, die im deutschen Sozialstaat zwar miteinander verbunden sind, in der Praxis aufgrund von Zuständigkeitsregelungen jedoch häufig getrennt agieren. Genau darin lag ein zentraler Ansatzpunkt, um in den Dialog zu treten: Während Rehabilitation und Pflege gesetzlich klar voneinander abgegrenzt sind, überschneiden sich Unterstützungsbedarfe der Menschen im Alltag nicht selten.

Zu den hochrangigen Gästen beim BAR-Fachgespräch 2026 zählten unter anderem Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen und Oliver Blatt, Vorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. In Ihren Grußworten hoben Leonie Gebers, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, sowie Dr. Martin Schölkopf, Abteilungsleiter Pflegeversicherung im Bundesministerium für Gesundheit die gesellschaftliche Bedeutung einer guten Versorgung hervor. 

Begrüßungsworte

BAR-Vorstand und BAR-Geschäftstelle

Markus Hofmann, Vorstand Sozialpolitik beim DGB und alternierender Vorstandsvorsitzender der BAR, begrüßte das Publikum und fand vor dem Hintergrund aktueller politischer Reformpläne und öffentlicher Spardebatten deutliche Worte. So sei der Sozialstaat eben kein "nice to have", sondern eine große Errungenschaft für Deutschland und essenziell für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Teilhabe. Gerade hier müsse man auch Pflegebedürftige stärker in den Blick nehmen. 

Bernd Giraud, Fachbereichsleiter und Vertreter der Geschäftsführerin der BAR, begrüßte für die BAR-Geschäftsstelle und betonte, dass es Idee des Veranstaltungskonzeptes sowie der Kern der Arbeit der BAR sei, unterschiedliche Perspektiven in den gemeinsamen Dialog zu bringen. Er verwies auf die besondere Gelegenheit, die das BAR-Fachgespräch biete, den Blick über gegebene Systemgrenzen hinauszuwagen.

Erstes Podium und Workshop-Runde 1: Reha und Pflege im Alltag

Unterschiedliche Perspektiven und Standpunkte

Mit Perspektiven auf Reha und Pflege im Alltag in der eröffnenden Podiumsrunde wurden erste fachliche Akzente gesetzt. Kerrin Stumpf (Leben mit Behinderung Hamburg, Elternverein), selbst pflegende Mutter eines mehrfach behinderten Kindes, stellte heraus, es gebe mit Blick auf Berufstätigkeit von pflegenden Angehörigen zu wenig Reha-Angebote. Vor allem müssten Angebote der mobilen Reha ausgebaut werden und, was den Begriff der Pflegebedürftigkeit angeht, sei jener "viel zu wenig teilhabeorientiert". Uwe Frevert (Selbstbestimmt leben in Deutschland e.V.), er selbst ist auf Reha- und Pflegeleistungen angewiesen, stellte das Recht und die Verantwortung des selbstbestimmten Lebens heraus, auch und gerade im Kontext älterer Menschen. Er bezeichnete die häusliche Pflege als “den größten Pflegedienst des Landes” und monierte, dass die Finanzströme mit Blick auf stationäre und häusliche Pflege "nicht gerecht" seien. 

Dr. Nedye Naumann (Volkswagen AG, Gesundheit) brachte die Arbeitgeber-Perspektive ein, insbesondere zum Thema arbeitsbedingte Erkrankungen. Wichtig sei es, alle Menschen in Arbeit zu halten. Insbesondere psychische Erkrankungen müssten verstärkt in den Blick genommen und passende Leistungen und Angebote ausgeweitet werden. Die Runde war sich einig, dass in sämtlichen Kontexten vor allem auch behördliche und bürokratische Hürden merklich gesenkt werden müssen.

Anknüpfend an die Alltagsperspektiven beleuchteten die Teilnehmenden im Rahmen von drei praktischen Workshops unterschiedliche thematische Schwerpunkte. Hier standen Fragen im Mittelpunkt, wie und an welchen Stellen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen besser unterstützt werden können. Ob ältere pflegebedürftige Menschen, Personen mit komplexen Behinderungen im Arbeitsleben bzw. auf dem ersten Arbeitsmarkt oder Erwerbstätige, die nach Krankheit oder Unfall Unterstützung benötigen: Betroffene erhalten nicht selten keinen oder nur erschwert Zugang zu den passenden Leistungen – die es häufig sogar gibt, die aber im nebulösen Dickicht des Systems unzugänglich bleiben.

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                                                                                           Fotos: Mario Zgoll