Tag 2: Perspektiven aus der Politik

Impulse des BMAS und des BMG

Tag zwei des Fachgesprächs startete mit den Impulsen und Grußworten aus der Politik

Leonie Gebers, Staatsekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) thematisierte aktuelle Herausforderungen aus der Sicht ihres Hauses und nahm Ansätze in den Blick, rehabilitative Unterstützung und pflegerische Versorgung zukünftig gemeinsam betrachten zu wollen. Ein wichtiges Anliegen ist dem BMAS zudem, den Zugang zu Reha- bzw. Versorgungsleistungen für die Menschen zu verbessern, respektive einfacher zu gestalten.

Dr. Martin Schölkopf, Abteilungsleiter Pflegeversicherung im Bundesminsterium für Gesundheit (BMG) sprach unter Anderem notwendige Maßnahmen im Rahmen der anstehenden Pflegereform an. 

BAR e.V.: Teilhabe- und Pflegeleistungen nicht isoliert betrachten

Bernd Giraud, Fachbereichsleiter Programme und Produkte der BAR e. V., appellierte in seinem Impuls, weniger auf Getrenntes und Gegebenes zu schauen, sondern den Blick auf die Menschen zu richten, die Unterstützung aus unterschiedlichen Bereichen benötigen. Komplexleistungen müsse man einfacher gestalten und mit Blick in die Zukunft möglich machen. “Isoliertes Betrachten von Reha- und Teilhabeleistungen, ohne die Pflege, ist nicht zukunftsfähig!”, stellte Giraud klar. 

Konkrete, etablierte Verfahren, so führte er aus, gebe es bereits und an der ein oder anderen Schnittstelle im Prozess, könne man konkret ansetzen. Damit leitete Giraud zu den Workshops des zweiten Tages über, in denen jene Verfahrensebene genauer untersucht wurde.

Praxisorientierte Workshops: Etablierte Verfahren auf dem Prüfstand

Reha und Pflege: Häufig ein Neben- statt ein Miteinander

In der zweiten Workshop-Runde standen praxiserprobte Verfahren auf dem Prüfstand:  Reha- und Pflegeberatung, Instrumente zur Bedarfsermittlung sowie Verfahren zur Planung von Reha bzw. Pflege. Ein Spannungsfeld wurde dabei in allen Workshops deutlich: Leistungen der Rehabilitation und der Pflege greifen nicht immer ineinander, was gerade an Übergängen und Schnittstellen zu akuten Versorgungslücken führen kann. Hier brauche es einen erweiterten Blick, genauere und verbindlichere Regelungen der Zusammenarbeit. Die Teilnehmenden des BAR-Fachgesprächs 2026 zeigten sich in den drei Workshops des zweiten Tages in der Diskussion sehr engagiert; ihre Ergebnisse und Ideen im Rahmen der Präsentation im Plenum waren von bemerkenswerter fachlicher Expertise: Gefordert wurden unter anderem bessere Abstimmungsprozesse zwischen Leistungsträgern, mehr interdisziplinäre Ansätze und kompetenzerweiterte Ausbildung von Reha- und Pflege-Fachkräften, Einbezug von Expertisen aus dem jeweils anderen Bereich – zum Beispiel im Kontext bestehender Instrumente wie der Teilhabe- wie Pflegeplanung. Einige der Workshops wurden mit fachlicher Unterstützung durch die BAGüS konzipiert und durchgeführt, u.A. Geschäftsführer Olaf Bauch war hier aktiv.

Trotz des gemeinsamen Dialogs und vieler Annäherungen wurde in Kassel deutlich, dass Reha und Pflege bislang häufig nebeneinander statt miteinander arbeiten. Genau hier setzte das BAR-Fachgespräch an: Es sollte Verbindungen sichtbar machen und neue Denkansätze ermöglichen. Viele Beiträge machten deutlich, dass die bestehenden Strukturen zwar leistungsfähig und hoch professionalisiert sind, zugleich aber eine gewisse „Systemlogik“ entwickelt haben, die Kooperation erschwert.

Die Orientierung an individuellen Lebenslagen und Bedarfen wurde von vielen Teilnehmenden als Schlüssel für eine bessere Versorgung bezeichnet. Statt Zuständigkeiten in den Vordergrund zu stellen, müsse stärker gefragt werden, welche Unterstützung Menschen konkret benötigen – sei es im Hinblick auf Erwerbstätigkeit, Prävention, häusliche Pflege oder die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. 

Ergebnisse und Ideen aus den praktischen Workshops

"Ideenschmiede: Wie bestehende Verfahren und Instrumente besser verknüpft werden können"

Workshops Tag 2: "Ideenschmiede"Ideen & ErgebnisseFachlicher Input im Workshop
1: Bedarfserkennung und PflegebegutachtungErgebnispräsentationBreuninger, K. (MD Bund): Stärkung des Grundsatzes vor und bei Pflege
2: Reha-/Teilhabe- und PflegeberatungErgebnispräsentation 
3: Verfahren zur Planung von Reha und PflegeErgebnispräsentationSchian, M. (BAR e.V.): Teilhabeplanung und mögl. Brücken zur Pflege

Jürgen Dusel mit Klartext

Kürzungsdebatten seien "fantasielos"

Jürgen Dusel, Beauftragter des Bundes für die Belange von Menschen mit Behinderungen, sprach zum Abschluss des fachlichen Teils deutliche Worte hinsichtlich der „Trägheit“ des komplexen gegliederten Systems der Reha und Teilhabe. Noch immer stünden viele gelebte Prozesse "zu wenig im Einklang mit dem Bundesteilhabegesetz", noch immer verharrten die Akteure zu sehr in ihren Zuständigkeitsbereichen – zum Nachteil der Menschen, die ein "Recht auf Leistungen wie aus einer Hand haben". Aktuelle Debatten im Kontext der deutlich gestiegenen Ausgaben des Trägerbereiches der Eingliederungshilfe, die lediglich auf Einsparungen und Kürzungen von Leistungen beruhen, bezeichnete er als “fantasielos”. Mit Blick auf Teilhabe und eine gute Versorgung müsse Deutschland auf das schauen, was die Menschen brauchen und was ihnen zustehe.

Botschaft: Zukunftsfähige Versorgung erfordert neue Denkmuster

Weberink sieht Selbstbestimmung als gemeinsamen Nenner

Die zentrale Botschaft des BAR-Fachgesprächs 2026? Aufgrund der Vielschichtigkeit des Themas sowie der lebhaften Diskussionen rund um unterschiedliche Berührungspunkte von Reha und Pflege lässt sich die Essenz des gemeinsamen Dialogs nicht auf eine einzige Botschaft reduzieren. Dennoch waren sich viele Anwesenden einig: Eine zukunftsfähige Versorgung erfordert ein stärkeres Zusammendenken von Rehabilitation und Pflege

Oder, wie Michael Weberink, Vorsitzender der Mitgliederversammlung der BAR, nachdem er allen Anwesenden für die produktive Fachtagung gedankt hatte, in seinen Abschiedsworten resümierte: "Wichtiges Ziel, und irgendwo auch gemeinsamer Nenner von Reha und Pflege, dass wir aus diesen beiden Tagen mitnehmen können, ist die Selbstbestimmung der Menschen, die Unterstützung benötigen". 

Die Herausforderungen sind komplex, doch gemeinsame Lösungen sind möglich – wenn bestehende Grenzen überwunden und neue Wege der Zusammenarbeit ins Auge gefasst werden.

 

Kurzinterviews beim BAR-Fachgespräch

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Bildergalerie

Hier finden Sie weitere Impressionen vom BAR-Fachgespräch 2026

                                                                                           Fotos: Mario Zgoll