Regionale Netzwerkveranstaltung für Reha-Träger
in Hessen, Frankfurt am Main – 17. Juni 2025
Welches Potenzial hat Netzwerkarbeit für Reha-Fachkräfte und für Menschen mit Behinderungen? Dieser und weiteren spannenden Fragen widmeten sich rund 60 Reha-Fachkräfte aus ganz Hessen im Rahmen der "Regionalen Netzwerkveranstaltung" am 17. Juni in Frankfurt am Main. Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V. (BAR) hatte gemeinsam mit der Deutschen Rentenversicherung Hessen eingeladen.
Das Dialog-Format "Regionale Netzwerkveranstaltung" der BAR ist eine Initiative, um die Zusammenarbeit der Reha-Träger in den Regionen zu stärken. Denn Netzwerken ist kein Selbstzweck: In einem Reha-System, in dem mehr als 1.100 Reha-Träger aus acht Trägerbereichen eine Vielzahl von Leistungen erbringen, zusätzlich sortiert nach fünf Leistungsgruppen, können die Träger dem Leitgedanken der "Leistungen wie aus einer Hand" nur dann entsprechen, wenn sie auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen können.
Auftakt zu einem lebendigen Tag
Offenes Format: Wenig Input, viel Kommunikation

In den für ein kommunikatives Setting passend gestalteten Räumlichkeiten des Frankfurter Kunstvereins richtete zum Auftakt Dr. Stefan Hoehl, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Hessen, einleitende Worte an die Teilnehmenden. Er betonte, dass die DRV Hessen eine solche Vernetzungsinitiative für das Bundesland Hessen sehr gern unterstütze. Mit Blick auf die Unterstützung der Menschen sei es unerlässlich, dass die Reha-Träger für das Ziel der Teilhabe zusammenarbeiteten, betonte Dr. Hoehl, und freute sich über die Anwesenheit vieler Reha-Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen.
Bernd Giraud, Fachbereichsleiter Programme & Produkte, begrüßte die Teilnehmenden seitens des Veranstalters BAR und gab Einblicke in die Idee hinter der Netzwerkveranstaltung: die Stärkung der Zusammenarbeit über trägerspezifische Gewohnheiten hinweg. Giraud hob das offene Konzept der Netzwerkveranstaltung hervor, das es erlaube, Teilhabe aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und Ideen auszutauschen mit Menschen, mit denen man im Berufsalltag üblicherweise eher nicht zusammenkomme: "Heute bieten wir den Rahmen, der vor allem Platz für das Kennenlernen und Ihren beruflichen Austausch bietet."
Impuls zur Peer-Beratung der EUTB® und der Wichtigkeit von persönlichen Kontakten
Ebenfalls wichtig für die Arbeit von Reha-Fachkräften ist die Perspektive derjenigen Menschen, die Reha-Anträge stellen bzw. einen Teilhabebedarf haben. Stellvertretend gab Petra Willich, Geschäftsführerin SLiN e.V., zum programmatischen Auftakt einen Einblick in ihre Arbeit als EUTB®- und Peer-Beraterin. Sie hob die Wichtigkeit guter persönlicher Kontakte zu den Trägern hervor. Diese seien unerlässlich, um im Sinne der betroffenen Menschen schnell die passenden Reha-Leistungen zu beantragen.
Ein passender Impuls für die Teilnehmenden, dass Zusammenarbeit viele positive Effekte mitbringt. Eine Motivationsspritze schienen die Anwesenden in Frankfurt am Main an diesem Morgen allerdings nicht zu benötigen, denn sie waren längst in lebhafte Gespräche eingetaucht.
Podiumsgespräch
Perspektive(n) von trägerübergreifender Zusammenarbeit
Um den Pfad rund um das Thema des Tages zu ebnen, lud Moderator Eric Meyer zu einer Podiumsrunde. Er begrüßte Nicole Sturm, Sachbereichsleiterin DRV Hessen, Thomas Niermann Fachbereichsleiter Integrationsamt und Soziale Entschädigung beim LWV Hessen, Nurcan Arisoy, Teamleiterin Reha beim Jobcenter Frankfurt am Main und Bernd Giraud.
Gemeinsam blickte man auf aktuelle Projekte und Bestrebungen der Träger rund um das Thema Netzwerke und Zusammenarbeit, aber auch zum Beispiel auf aktuelle Debatten rund um die Finanzierung des Systems der Sozialen Sicherung und anstehenden Reformbedarf.
Lebendiger Austausch in den drei Foren und im „Messeformat“
Wo braucht es mehr Zusammenarbeit der Träger und wie kann diese gelingen?

Das Hauptaugenmerk des Tages lag indes auf dem lebendigen Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander. In drei Foren stand zunächst das Kennenlernen und ein Brainstorming zur Berufspraxis im Fokus. Gemeinsam sammelte man Anlässe und berufliche Alltagssituationen, bei denen Kontakte helfen, Prozesse zu verbessern. Alsbald wurden in den drei Foren, moderiert von Franziska Fink, Christoph Gerullis-Schmidle und Carola Penstorf (alle BAR e.V.), erste Ideen notiert, die den Berufsalltag erleichtern können:
Hier nannten die Teilnehmenden u.a. den Wunsch nach regelmäßigen Treffen, bei denen die Institutionen ihre Arbeit, Leistungen und Zuständigkeiten vorstellen – oder einem im Kontext Zuständigkeiten entsprechend aufbereiteten und gepflegten, zentralen Webportal. Dadurch solle mehr Transparenz und Verständnis entstehen. Auch wurde die Wichtigkeit von konkret verfügbaren Ansprechpersonen bei allen Trägern sowie die Notwendigkeit herausgearbeitet, dass jemand "den Hut" für die Koordination von nächsten Schritten "aufhaben" müsse. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Den Fachkräften müsse Raum und Zeit für die Netzwerkarbeit zur Verfügung gestellt werden und dies bedeute gleichsam: Führungskräfte müssten die Vernetzungsarbeit unterstützen.
Gemeinsam diskutierten die Fachkräfte, an welchen Schnittstellen im Berufsalltag es eine intensivere Kooperation braucht, um in der Praxis zügige Abstimmungen unter Einhaltung der engen Fristen nach § 14 SGB IX sicherzustellen. Zur besseren Vernetzung der Reha-Träger könnten ebenso digitale Tools unterstützen, etwa ein landesspezifisches Verzeichnis, das Ansprechpartner listet und für alle zugänglich macht.
Aus ähnlichen Beweggründen hat die BAR ihr Verzeichnis der Ansprechstellen für Reha und Teilhabe um einen internen Bereich erweitert. Christoph Gerullis-Schmidle, Fachrefrent bei der BAR, präsentierte im folgenden Messe-Format die Funktionen und Möglichkeiten des Tools. Ein willkommener Effekt des offenen Formats war das Kennenlernen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den anderen Foren.
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Begehrt: Visitenkarten und persönliche Gespräche
Im Anschluss stellten die Foren ihre Ansätze und Ideen für eine nachhaltige Netzwerk- und Zusammenarbeit im Plenum vor. Konsens in den drei Foren herrschte darüber, dass bereits bestehende Netzwerke und Austauschformate zwischen den Trägern in Hessen bestehen bleiben sollten und, wo es Sinn macht, diese Formate ggf. zusammengeführt werden sollten, um Synergien zu nutzen.
Zum Abschluss stand die symbolische Staffelstab-Übergabe seitens der BAR als Initiator der Veranstaltung: Das Team der BAR übertrug mit den Staffelstäben die Initiative zur weiteren praktischen Zusammenarbeit an die jeweiligen Foren mit der Motivation, dass die drei Arbeitsgruppen ihre an diesem Tag gemeinsam entwickelten Ideen weiterverfolgen. Oder, noch konkreter, dass sie nächste Schritte für eine nachhaltige Vernetzung in den hessischen Städten und Landkreisen anstoßen.


Fotos: BAR e.V.










