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Reha-Info 03/2015 - Editorial

Manchmal hilft einfach ein Perspektivwechsel. Das gilt auch im Hinblick auf die Lebenslagen von Menschen mit Behinderung. Leistungen und Maßnahmen gibt es für die Betroffenen viele in Deutschland. Entscheidend ist der passgenaue Einsatz der zur Verfügung stehenden Leistungen; dies erfordert die Auseinandersetzung mit der individuellen Situation des Menschen mit Behinderung – ganz im Sinne der Personenzentrierung. Setzt man eine andere Brille auf und schärft damit den Blick für die Lebenslagen der Menschen, kann deren Situation gezielter verbessert werden. Es geht nicht mehr darum, die Teilhabe behinderter Menschen durch deren  Anpassung an die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu erreichen, vielmehr muss die Gesellschaft ihre Strukturen auch an den Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Menschen ausrichten. Gefordert ist ein Perspektivwechsel, der auch die sozialen Systeme und deren notwendige Weiterentwicklung in den Blick nimmt und prüft. Schlagworte wie Autonomie, eigener Lebensstil oder individuelle Fähigkeiten, sind Ausdruck einer Sichtweise, die eine Fokussierung auf die Person mit Behinderung, ihre Fähigkeiten, Stärken und auf ihre Lebenslage erfordert.
In diesem Sinne hat sich der letzte Teilhabebericht der Bundesregierung zum ersten Mal am Lebenslagenansatz orientiert, um die Gesamtheit der Ressourcen und Beschränkungen, die für die Verwirklichung individueller Lebensvorstellungen eine Rolle spielen, zu berücksichtigen. Nur so lassen sich  Lebenswirklichkeiten differenziert beschreiben und eine grundlegende Basis für eine verbesserte Teilhabe von Menschen mit Behinderung schaffen. Dabei stellt sich auch die Frage, wie stärken oder behindern räumliche, soziale und infrastrukturelle Umweltbedingungen sowie persönliche Faktoren eine gleichberechtigte Teilhabe? Es kommt auf die Perspektive an.

Ich grüße Sie herzlich
Ihre Helga Seel
Geschäftsführerin der BAR