Welche Unternehmen beschäftigen wie viele schwerbehinderte Menschen?

Deutschlandweit waren 2015 etwa 1.225.677 schwerbehinderte oder gleichgestellte Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt. Diese Zahl lässt sich aus zwei Datenquellen der Bundesagentur für Arbeit errechnen: dem Anzeigeverfahren und der ergänzenden Teilerhebung, die nur alle fünf Jahre erhoben wird. Auf dieser Grundlage lässt sich die Beschäftigungssituation der genannten Personengruppe nach Betriebsgröße und nach Wirtschaftssektoren vergleichen. Zur Gegenüberstellung können zudem die Statistiken der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt herangezogen werden.

Hintergrund zu den Datenquellen

Die Beschäftigungsstatistik schwerbehinderter Menschen (BSBM) wird von der Bundesagentur für Arbeit herausausgegeben und differenziert unter anderem nach Wirtschaftsabschnitten (WZ 2008), in denen die Unternehmen tätig sind. Unternehmen mit mindestens 20 zu zählenden Arbeitsplätzen sind verpflichtet, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten oder ihnen gleichgestellten Personen zu besetzen. Sie müssen daher jährlich im Rahmen des Anzeigeverfahrens an die zuständige Arbeitsagentur melden, wie viele Pflichtarbeitsplätze durchschnittlich im vorausgegangenen Jahr besetzt waren. Bei Nichterfüllung der Pflichtquote wird auf dieser Grundlage die anfallende Ausgleichsabgabe berechnet.

Datenquelle: Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung (Anzeigeverfahren SGB IX), Tabelle "Arbeitgeber nach ausgewählten Merkmalen und Wirtschaftsabschnitten der WZ 2008".

Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitenden werden hingegen nur alle 5 Jahre im Rahmen der Teilerhebung erfasst. Hier handelt es sich jedoch um eine Stichprobenerhebung, deren Ergebnisse auf die Gesamtheit der Unternehmen dieser Größe hochgerechnet werden. Auch hier wird u.a. nach Wirtschaftsabschnitten unterschieden, wobei die einzelnen WZ-Kennzeichen (A bis U) teilweise anders gruppiert werden. Die aktuellste durchgeführte Teilerhebung bezieht sich auf das Berichtsjahr 2015. Um Unternehmen mit unter 20 Mitarbeitenden den größeren Unternehmen gegenüberstellen zu können, werden deshalb die Statistiken aus dem Jahr 2015 analysiert. Leider werden in der Teilerhebung keine Hochrechnungen zur Gesamtzahl der zu zählenden Arbeitsplätze in kleineren Betrieben geliefert, die zum Vergleich herangezogen werden könnten.

Datenquelle: Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung - Teilerhebung 2015, Arbeitgeber mit weniger als 20 Arbeitsplätzen, Tabelle "Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008)".

Zum Vergleich wurde daher die Statistik "Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB) nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008) und Betriebsgrößenklassen" der Bundesagentur für Arbeit herangezogen. Allerdings handelt es sich hier, anders als bei der Beschäftigungsstatistik schwerbehinderter Menschen, um eine Stichtagserhebung zum 30.06.2015. Außerdem ist zu beachten, dass seit dem Jahr 2013 auch Beschäftigte in Werkstätten für Behinderte Menschen als sozialversicherungspflichtig beschäftigt gelten. Sie wurden überwiegend dem Wirtschaftsabschnitt Q (Gesundheits- und Sozialwesen) zugeschlagen, da für sie in 2015 noch keine Informationen zur ausgeübten Tätigkeit vorlagen. Hinzu kamen außerdem Personen, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst leisten. Beide Personengruppen bzw. ihre Arbeitgeber werden in den Verfahren der Beschäftigungsstatistik schwerbehinderter Menschen nicht erfasst, weder auf Seiten der zu zählenden noch der besetzten Arbeitsplätze.

Datenquelle: Reihe "Arbeitsmarkt in Zahlen – Beschäftigungsstatistik", Betriebe und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, Tabelle "Betriebe und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB) nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008)"

Nach Gruppierung der Wirtschaftsabschnitte (WZ-2008) drei Sektoren lassen sich zunächst innerhalb der einzelnen Erhebungsverfahren die Beschäftigtenzahlen in verschiedenen Wirtschaftssektoren vergleichen. Als Wirtschaftssektoren gelten "Land- und Forstwirtschaft, Fischerei" (WZ-A), Produzierendes Gewerbe (WZ-B bis F) und der Dienstleistungsbereich (WZ-G bis U).

Unter Beachtung der Besonderheiten der Datenerhebung können zudem die Beschäftigtenzahlen für kleine Unternehmen ( < 20 Beschäftigte) mit größeren Unternehmen ( ≥ 20 Beschäftigte) gegenübergestellt werden. Dies gilt sowohl in Bezug auf die schwerbehinderten (oder gleichgestellten) Beschäftigten als auch in Bezug auf die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt. Aufgrund der unterschiedlichen Erhebungsverfahren verbietet sich jedoch die direkte Berechnung des Anteils schwerbehinderter Menschen an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Grundsätzlich ist auch zu beachten, dass es sich nicht um Personenstatistiken handelt.

Arbeitsplätze, die mit schwerbehinderten oder ihnen gleichgestellten Menschen besetzt sind

Der Erhebung im Anzeigeverfahren 2015 waren in Betrieben mit mindestens 20 zu zählenden Arbeitsplätzen insgesamt 1.057.978 Pflichtarbeitsplätze besetzt, davon 0,17 Prozent in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei, 27,39 Prozent im produzierenden Gewerbe und 72,43 Prozent im Dienstleistungsbereich. Demgegenüber ergab die Teilerhebung 2015, dass hochgerechnet insgesamt 167.700 schwerbehinderte oder gleichgestellte Personen in Betrieben mit weniger als 20 zu zählenden Arbeitsplätzen beschäftigt waren, davon 2,39 Prozent im Agrarsektor, 23,55 Prozent im produzierenden Gewerbe und 74,06 Prozent im Dienstleistungsbereich (Tabelle 1).

Tabelle 1: Mit schwerbehinderten oder gleichgestellten Personen besetzte Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt*

*nach Wirtschaftssektor und Erhebungsverfahren, 2015
Quelle: Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung, Anzeigeverfahren SGB IX und Teilerhebung, Berichtsjahr 2015 (Bundesagentur für Arbeit), eigene Berechnungen

Im Verhältnis der größeren Unternehmen (ab 20 Arbeitsplätze) zu kleinen Unternehmen (unter 20 Arbeitsplätze) zeigen sich in Tabelle 1 deutliche Unterschiede zwischen den Sektoren. So stehen einem Arbeitsplatz in einem kleinen land- und forstwirschaftlichen Betrieb, der mit einer schwerbehinderten oder gleichgestellten Person besetzt ist, 0,46 besetzte Pflichtarbeitsplätze in größeren Betrieben gegenüber. Das umgekehrte Extrem zeigt sich im produzierenden Gewerbe, wo auf einem entsprechend besetzten Arbeitsplatz in kleinen Betrieben 7,34 besetzte Pflichtarbeitsplätze in großen Betrieben gegenüberstehen. Im Dienstleistungsbereich beträgt das Verhältnis 1 zu 6,17.

Zum Vergleich lassen sich Arbeitsmarktzahlen zu den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen 2015 heranziehen (Tab. 2). Die prozentuale Verteilung zwischen den drei Sektoren ist hier ähnlich wie bei den mit schwerbehinderten Menschen besetzten Arbeitsplätzen: Auf die Land- und Forstwirtschaft und Fischerei entfallen 0,8 Prozent, auf das produzierende Gewerbe 28,97 Prozent und auf den Dienstleistungsbereich 70,23 Prozent. Die Verschiebungen liegen also im Bereich von etwa 2 Prozent.

Tabelle 2: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse insgesamt*

*nach Wirtschaftssektor und Betriebsgröße
Quelle: Arbeitsmarkt in Zahlen - Beschäftigungsstatistik, Betriebe und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, Stichtag 15. Juni 2015 (Bundesagentur für Arbeit); eigene Berechnungen

Beim Verhältnis zwischen größeren Betrieben (ab 20 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte) und kleineren Betrieben (bis zu 20 Beschäftigte) zeigen sich jedoch deutliche Abweichungen zur Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen. Das Gesamtverhältnis beläuft sich hier auf 2,90 zu 1, während es bei den schwerbehinderten Menschen in Beschäftigung 6,31 zu 1 beträgt. Besonders groß ist der Unterschied im Dienstleistungssektor. Hier stehen einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in kleinen Betrieben nur 2,6 in größeren Betrieben gegenüber, bei den schwerbehinderten Beschäftigten sind es 6,31. Die Zahlen zeigen, welch insgesamt bedeutende Rolle nach wie vor die größeren Arbeitgeber im Dienstleistungsbereich für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen spielen. Das vermutlich zurückzuführen auf die bekannte Übererfüllung der Schwerbehindertenquote im öffentlichen Dienst bei Betrieben mit mindestens 20 zu zählenden Arbeitsplätzen.

Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zur Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen

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