Praxisbeispiele

Hier finden Sie eine Auswahl von Praxisbeispielen für ein erfolgreiches betriebliches Eingliederungsmanagement.

Beispiel A:

Herr P. (49 Jahre) ist seit 20 Jahren in einem Metall verarbeitenden Betrieb tätig.

Herr P. erlitt einen Schlaganfall und hatte danach ein steifes Bein. Nach seiner Rückkehr an den Arbeitsplatz wurde deutlich: Nicht nur das Heben von schweren Lasten und das Bedienen von Maschinen fielen ihm schwer. Auch die Fähigkeit sich zu konzentrieren, hatte nachgelassen.

Die Geschäftsführung überlegte, wie sie Herrn P. unterstützen könnte. Schließlich war er schon sehr lange im Betrieb beschäftigt. Im Rahmen des BEM setzten sich Herr P. und der Geschäftsführer gemeinsam an einen Tisch. Hinzugezogen wurden der Betriebsarzt und ein Berater vom Arbeitgeberservice der Deutschen Rentenversicherung Bund. Sie verständigten sich über die Anforderungen der Arbeit, über die gesundheitlichen Möglichkeiten von Herrn P. und die notwendigen Unterstützungsleistungen, damit er weiterhin in dem Betrieb arbeiten kann.

Herr P. wollte seine gesundheitlichen Einschränkungen anfangs nicht wahrhaben. Erst nach einem Gespräch mit dem Betriebsarzt wurde ihm seine Situation deutlich. Daraufhin vereinbarte er mit dem Arbeitgeber eine Flexibilisierung und Verkürzung der Arbeitszeit um täglich ein bis drei Stunden. Er beantragte zudem beim Integrationsamt die Anerkennung als Schwerbehinderter.

Für eine bessere Standfestigkeit wurden Gummimatten an der Maschine von Herrn S. ausgelegt. Mithilfe eines höhenverstellbaren Schreibtisches und eines erhöhten „Stehstuhls“ konnte er seine Beine entlasten. Für Notfälle war immer ein Kollege oder Auszubildender in seiner Nähe.

Herr P. konnte weiter im Betrieb beschäftigt werden. Ein wichtiger Schritt für ihn – aber auch für seine Firma.

Beispiel B :

Herr S. (46 Jahre) arbeitet als Busfahrer in einem öffentlichen Verkehrsbetrieb.

Herr S. fiel immer wieder durch Krankheit aus. Zuerst waren es viele kurzfristige Erkrankungen rund um das Wochenende, später dann entwickelte sich eine Langzeiterkrankung.

Auf Vorschlag seines Arbeitgebers beteiligte sich Herr S. an einem BEM-Verfahren. Sein Arbeitsplatz wurde untersucht. Auch seine Arbeitsbedingungen und sein soziales und privates Umfeld wurden in die Untersuchung einbezogen. Dabei stellte sich heraus, dass Herr S. unter einer hohen psychischen Belastung stand: Seine Ehe war geschieden worden. Der Sohn lebte jetzt bei der Mutter. Durch seine wechselnden Schicht- und Wochenenddienste konnte Herr S. seinen Sohn nicht regelmäßig besuchen. Diese Situation machte ihn krank – bis hin zu Magen- und Darmproblemen.

Der Betriebsarzt wurde hinzugezogen. Er empfahl die Behandlung bei einem Psychologen, damit Herr S. lernt, besser mit der Trennung umzugehen. Nach einem Schnuppertermin entschied sich Herr S. für eine Behandlung. Die 30 Sitzungen wurden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Gleichzeitig wurde im Betrieb die Arbeitszeit von Herrn S. anders gestaltet, damit er am Wochenende Zeit für seinen Sohn hat. Mit Unterstützung des Betriebsarztes und des betrieblichen BEM-Beraters bekam Herr S. einen neuen Dienstplan genehmigt, der keine Wochenenddienste mehr enthielt.

Durch die neue Arbeitszeitregelung konnte Herr S. eine klare Besuchsregelung mit seinem Sohn vereinbaren und halten. Seine Krankentage sind erheblich zurückgegangen.

Beispiel C:

Frau K. ist seit 25 Jahren im öffentlichen Dienst tätig. Sie arbeitet in der Mikroverfilmung – im Schichtdienst – und leitet dort ein Team von 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Zu den Aufgaben von Frau K. gehörten Personalplanung und Organisation, aber auch körperlich anstrengende Arbeiten, wie zum Beispiel das Ein- und Ausräumen von Kisten und das Tragen von Paketen. Immer mehr merkte sie, dass sie ihre Hände, Finger und Arme nur unter Schmerzen bewegen konnte. Ein Facharzt stellte Rheuma mit aggressivem Verlauf fest. Trotz starker Medikamente verschwanden die Schmerzen nicht vollständig. Durch die dauernden  Schmerzen litt Frau K. auch unter Schlafmangel. Diese körperliche und psychische Belastung machte sie oft für mehrere Tage arbeitsunfähig.

Der Arbeitgeber leitete ein BEM-Verfahren ein und bat mit Einwilligung von Frau K. die Deutsche Rentenversicherung Bund um Unterstützung. Der Arbeitgeberservice der Rentenversicherung klärte in einem ersten Einzelgespräch mit Frau K. ihre Arbeits- und Gesundheitssituation. In einem weiteren Gespräch wurden gemeinsam mit dem Arbeitgeber mögliche Verbesserungen und Änderungsmöglichkeiten erörtert.

Frau K. wurde von ihrem Arzt zur besseren Medikamenteneinstellung in ein Krankenhaus überwiesen. Es folgte anschließend eine stationäre medizinische Rehabilitation von vier Wochen. Dort lernte sie besser mit ihrer Erkrankung umzugehen. Zudem stellte Frau K. einen Antrag auf Anerkennung ihrer Schwerbehinderung beim Integrationsamt.

Der Arbeitsplatz von Frau K. wurde so umstrukturiert, dass nun Führungs- und Verwaltungsaufgaben im Mittelpunkt stehen. Die körperlich schweren Arbeiten sind entfallen. Schichtarbeit ist auch nicht mehr erforderlich, da Frau K. sich nun überwiegend um die Belange ihrer Mitarbeiter kümmert. Eine Kernarbeitszeit wurde vereinbart, in der alle Beschäftigten die Möglichkeit haben, Frau K. persönlich anzutreffen.

Der Arbeitgeber und die Kolleginnen und Kollegen tragen diese Umgestaltung mit. Frau K. kann ihrer Tätigkeit wieder ohne auffällige Ausfallzeiten nachgehen.

Quelle: BMAS, Schritt für Schritt zurück in den Job

Weitere Beispiele:
www.iga-info.de
www.rehadat.de
www.rehadat-gutepraxis.de

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