Bild des Praxisdialog, Flyer mit Stiften

Praxisdialog vom 19. und 20. November 2015 in Mainz

Wie macht man aus einem Maulwurf ein Leuchtturm – und das in möglichst kurzer Zeit? Wie schafft man es, den immer noch recht unbekannten Gemeinsamen Servicestellen zu mehr Popularität zu verhelfen? Individuelle und umfassende Beratung markiert schließlich den unabdingbaren Startpunkt für passgenaue Rehabilitations- und Teilhabeleistungen.

Zum zweiten  Mal lud die BAR Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gemeinsamer Servicestellen zum Dialog nach Mainz ein. An zwei Tagen wurde über neue Strategien der Öffentlichkeitsarbeit beraten. 19 Interessierte aus unterschiedlichen Trägerbereichen kamen im Tagungszentrum Erbacher Hof zusammen, tauschten Erfahrungen, Ideen und Anregungen aus und arbeiteten aktiv und praxisorientiert  an einer verbesserten Innen- und Außendarstellung Gemeinsamer Servicestellen.

Neben kurzen Einführungsvorträgen und der  Darstellung von Erfolgsbeispielen aus der Praxis verlangte die Mainzer Veranstaltung in erster Linie die Aktivität der Anwesenden ab. Die bewährte Methode des World Cafés forderte alle: An vier Thementischen wurde das Thema unter verschiedenen Blickwinkeln diskutiert, Erfahrungen zusammengetragen und Vorschläge zur Stärkung des  Innen- und Außenbildes der Servicestellen erörtert. Die Ergebnisse fanden ihre Niederschrift auf den jeweiligen Tischdecken und wurden anschließend im Plenum debattiert.

Thementisch I
Was macht meinen Leuchtturm aus?

An diesem Tisch war jeder „Gast“ aufgefordert, sich Gedanken darüber zu machen, welche besonderen Stärken seine Servicestelle auszeichnet. Dabei bildeten sich vier Schwerpunkte heraus. Der erste betraf die Atmosphäre, in der Beratung gestaltet wird: Freundlichkeit und Kompetenz, gepaart mit der Botschaft, wir nehmen uns Zeit für Sie! Orientierung an den Wünschen der Kunden und Erreichbarkeit  bildeten einen  zweiten Schwerpunkt: Dazu zählen nicht nur eine gute Verkehrsanbindung, sondern auch Flexibilität bei Terminvereinbarungen, in Ausnahmefällen auch einmal ein Besuch bei dem Ratsuchenden zu Hause. Besonders hervorgehoben wurde in diesem Zusammenhang auch, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben, der nicht nur über Telefon, Email und Fax direkt erreichbar ist, sondern bei Abwesenheit auch zuverlässig innerhalb von 24 Stunden zurückruft. Als drittes Alleinstellungsmerkmal wurde die enge Verbindung zu den regionalen Betrieben genannt. Diese macht sich nicht nur in den Betrieben selbst durch die Teilnahme an runden Tischen zum BEM fest, sondern auch in einem kontinuierlichen Angebot von Arbeitgeberseminaren zu unterschiedlichen Themen. Die gute Vernetzung in der Region – das wurde von einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern als vierter Schwerpunkt genannt, der ihre Servicestelle besonders auszeichnet. Das verlangt natürlich auch Pflege: Regelmäßige Netzwerktreffen über die Rehaträger hinaus befördert nicht nur den Bekanntheitsgrad der Servicestelle, sondern auch die Qualität der Beratung.

Thementisch II
Was bringt’s?

Die Fragen ‚ Welche Wirkungen werden mit der Öffentlichkeitsarbeit beabsichtigt?‘ und ‚Welchen Mehrwert gibt es jeweils für wen?‘ standen im Mittelpunkt des zweiten Thementisches. Mehr Bekanntheitsgrad, mehr Beratungen, mehr Rückfragen von Menschen mit Behinderung und von anderen Akteuren – das sind gewünschte und tatsächliche Effekte, darin sind sich die Diskutanten einig. Denn idealerweise steigt die Nachfrage durch gezielte Ansprache mit klaren Botschaften über das Profil und die Aufgaben der Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation. Zudem lässt eine aktive Öffentlichkeitsarbeit ein Netzwerk entstehen. Das Netzwerk wiederum ist für die Qualität der Beratung förderlich und unerlässlich. Denn das wurde von den Expertinnen und Experten betont: In der Öffentlichkeitsarbeit geht es immer auch um Kontaktaufbau und Kontaktpflege. Mit dem Blick in die eigene Organisation kann eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit auch hilfreich sein, um eine Brücke vom Träger nach außen zu bauen. Bei dem lebhaften Austausch wurde auch deutlich, dass positive Auswirkungen nicht immer schnell, direkt und messbar daherkommen. Langer Atem lohnt sich!

Thementisch III
Wie gelingt mir Öffentlichkeitsarbeit?

Bei der Auseinandersetzung mit der Frage ‚Wie gelingt mir Öffentlichkeitsarbeit?‘ tauschten die Expertinnen und Experten Erfahrungen über Instrumente, Zielgruppen und Multiplikatoren der Öffentlichkeitsarbeit aus. Im Fokus des Interesses stand der Flyer als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit: Als informatives und rasch wirksames Instrument sollte der derzeitige Flyer „Beratung aus einer Hand“ gestalterisch und inhaltlich aktualisiert werden – darin waren sich alle einig. Ein moderneres Layout, eine persönlichere Ansprache, eine prägnante und kurze  Aufbereitung der Informationen in verständlicher Sprache könnten den Wirksamkeitsgrad noch weiter erhöhen. Der Austausch darüber kommt genau zur richtigen Zeit. Auf der Ebene der BAR wird aktuell über eine Neugestaltung des Flyers beraten. Klar wurde in dem Dialog auch: Ein zielgerichteter Mix aus unterschiedlichen Methoden und Instrumente ist für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit notwendig. 

Thementisch IV
Was macht ein gutes Handbuch für Reha-Beratung aus?

Zu dieser Fragestellung entstanden lebhafte Diskussionen mit konkreten und vielfältigen Vorschlägen zu Inhalten und Aufbereitungstipps. Ein gutes Handbuch enthält beispielsweise Themen wie Datenschutz, Verfahrenshinweise, Zuständigkeitsklärung, BEM oder das Persönliche Budget. Diese sollten möglichst praxisnah mit Fallbeispielen und konkreten Handlungshilfen aufbereitet werden. Auch Tipps zum Umgang mit Menschen mit Behinderung in der Reha-Beratung und den verschiedenen Indikationen, z.B. Seh- und Hörbehinderung oder psychische Erkrankungen sind gewünscht. Der Aufbau eines Handbuchs sollte sich an den Themen der Praxis orientieren und weiterführende Informationen und Links enthalten. Wichtig sind den Praktikerinnen und Praktikern die Aspekte der Übersichtlichkeit und Aktualität der Informationen. Bei der Frage des Formats gingen die Meinungen auseinander: Manche wünschen sich ein gedrucktes Werk, andere eine Online-Version; manche befürworten eine Übersicht mit kurzen und knappen Informationen (z. B. weiterführende Linksammlungen), andere wünschen sich vorwiegend vertiefende Informationen.  In einem Projekt zur Erarbeitung des Reha-Handbuchs, das ab Anfang nächsten Jahres in der BAR startet, werden diese Ideen aufgegriffen. Auf das Ergebnis sind die Expertinnen und Experten jetzt schon gespannt.

Fazit

Nach zwei Tagen Praxisdialog war das Licht am Ende des Tunnels unverkennbar. Die Inputs der Leuchttürme machten Mut und der gemeinsame Austausch klar, dass die Losung zur Verbesserung des Bekanntheitsgrades Vernetzung heißt. Ein positives Außenbild kann nur gemeinschaftlich erschaffen und verbreitet werden, es braucht die Zusammenarbeit. Damit blieben nach verklungenem Schlusswort nicht nur konstruktive Ideen und buntbeschriebene Tischdecken, sondern auch der Eindruck: Der Maulwurf bewegt sich – nach oben.