Foto vom Praxisdialog vom 23. und 24. Oktober 2014 in Mainz

Praxisdialog vom 23. und 24. Oktober 2014 in Mainz

Was zeichnet eine gute Vernetzung in der Arbeit der Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation aus und wie gelingt sie? Dieser Frage widmete sich ein zweitägiger Praxisdialog „Vernetzung –gestalten – Chancen und Herausforderung“ in Mainz.

Das Format war neu und die positiven Rückmeldungen zeigten: Der Dialog ist gelungen. Über 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinsamen Servicestellen kamen am 23. und 24. Oktober 2014 bundesweit und von unterschiedlichen Rehabilitationsträgern zusammen, um nicht nur über Vernetzung zu reden, sondern es auch zu tun. Und Dialog vernetzt – mit Hilfe der Methode des „World Café“ wurde an vier Thementischen intensiv diskutiert und gearbeitet.

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Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer galt es, aktiv zum Gelingen der Veranstaltung beizutragen. Das mit dem Angebot beabsichtigte  Ergebnis bestand in einer gelungenen Prozessgestaltung, der Dialog an sich war das Ziel: Wissen voneinander stärken, Erfahrungen austauschen und durch die gelebte Vernetzung in der Praxis zu profitieren. Denn die Herausforderungen der täglichen Praxis und der Anspruch an eine gute trägerübergreifende Arbeit lassen sich nur gemeinsam erreichen. Erst durch die optimale Zusammenarbeit Gemeinsamer Servicestellen mit unterschiedlichsten Akteuren kann eine umfassende Teilhabe von Menschen mit Behinderung gelingen.

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Der Rahmen des aktiven Dialogs war durch vier Themenschwerpunkte abgesteckt, denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Laufe der Tagung widmeten:

Thementisch I (Öffentlichkeitsarbeit)

In die Offensive gehen: „Kein Maulwurf, sondern Leuchtturm sein!“ - „Wo stehe ich?“ und „Wie kann ich (noch) besser werden?“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer reflektierten ihre unterschiedlichen Ausgangssituationen. Aufbauend auf diesen unterschiedlichen Erfahrungen und Aktivitätsgraden entwickelte sich über alle Tischrunden hinaus ein sehr lebhaft und offen geführter Dialog. Die Herausforderung besteht oft darin: Wenig Zeit und wenig Geld. Der Austausch über den Einsatz der vorhandenen Materialien und Instrumente führte zu einer intensiveren Betrachtung des Flyers „Beratung aus einer Hand“. Layout, Einlegeblatt und Inhalte standen auf dem Prüfstand. Impulsgebend wirkte darüber hinaus der Dialog über die jeweiligen durchgeführten Aktivitäten. Daraus resultierten neue Ideen, so dass auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit bereits weitreichenden Erfahrungswerten in der Öffentlichkeitsarbeit noch zusätzliche Erkenntnisse und Anregungen für die Stärkung ihrer Außendarstellung gewinnen konnten. In einem Punkt waren sich alle einig: Der Bekanntheitsgrad der Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation kann und muss durch zielgerichtete Maßnahmen weiter ausgebaut werden. Öffentlichkeitsarbeit ist nie fertig.

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Thementisch II (Vernetzung)

Wie entsteht und entwickelt sich ein vernetztes Team und was hat wer davon ? – das war die Fragestellung an diesem Tisch. Und es zeigte sich:  Aller Anfang ist schwer, wenn es darum geht, aus Front- und Back-Office nicht nur eine Telefonliste, sondern ein arbeitsfähiges Team zu bilden. Langsam aufbauen, mit interessanten Inhalten ködern, so lautete das Rezept aus der Praxis. Der Weg ist lang, aber er lohnt. Denn erst wenn das Team steht, ist die Basis geschaffen, auch einzelne schwierige Fälle gemeinsam zu lösen. Dabei hat der Begriff „Servicestelle“ in der Diskussion eine interessante Erweiterung erfahren, nämlich als eine Stelle  die als Service Informationen für das Team liefert und eine Plattform für Vernetzung bietet. Doch nicht nur die Vernetzung innerhalb einer Servicestelle wurde diskutiert. Deutlich wurde auch, dass bisweilen der Blick über den Tellerrand auf die Arbeit anderer Servicestellen Motivation und Hilfe für die eigene Arbeit generiert. Insofern war das Ergebnis dieses Thementisches auch ein Plädoyer zur Fortsetzung dieses Veranstaltungsformats.  

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Thementisch III (Regionale Vernetzung)

Innovative und zum Teil regional sehr spezifische Netzwerke konnten aus der Praxis beispielhaft aufgezeigt werden. Immer mit dem Fokus der Einbeziehung anderer Akteure stellten sich die Fragen: „Was bringt’s?“, „Was braucht’s?“ und „Was tun?“. Die Vorteile lagen auf der Hand und überzeugten. In Vernetzung zu investieren kann nicht nur die Arbeit der Servicestelle erleichtern, sondern schafft einen klaren Benefit für die Ratsuchenden. Ob Unternehmen, Beratungsstellen, Selbsthilfeverbände und weitere regionale Akteure, der bunte Strauß an Netzwerkpartnern ist mehr als vielfältig. Klar wurde allerdings auch, dass Vernetzung Zeit und personelle Ressourcen benötigt. Die Rahmenbedingungen müssen bereitgestellt werden – so die Diskutanten – sonst ist eine Umsetzung gerade ohne Freistellung für die Servicestellenarbeit kaum möglich. In dem gegebenen Rahmen kamen Möglichkeiten des eigenen Handelns zur Verstärkung und Verstetigung regionaler Vernetzung nicht zu kurz. Gerade der Blick, was das Netzwerk für einen Mehrwert für den eigenen Trägerbereich hat war oftmals überzeugend, hier weiter zu investieren.

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Thementisch IV (Wissensmanagement)

Wissensmanagement kennt jeder und jede in unterschiedlicher Ausprägung aus dem eigenen Unternehmen. Somit ergaben sich unterschiedliche Anknüpfungspunkte für die lebhafte Diskussion. Wie können Wissenslücken erkannt werden? Welche Werkzeuge des Wissemsmanagement gibt’s? Welche Anreize und Hürden sind zu benennen? Auch provokante Fragen wie „Ist Wissensmanagement eine Belastung oder eine Entlastung?“ brachten den Austausch in Gang. Wichtige Kernbotschaften als Fazit der vier unterschiedlichen Dialoge waren: Wirkungsvolles und anspruchsvolles Wissensmanagement kostet auch Zeit und Ressourcen, denn es gilt die wichtigsten Prämissen sicherzustellen – Datenaktualität gewährleisten und praxistaugliche Nutzung ermöglichen. Dann bringt es vielfältige Mehrwerte: Neben Zeitersparnis auch zusätzliche und verlässliche Kontakte, passgenaue Informationen, Teamgeiststärkung und Unterstützung. Wissensmanagement vernetzt und Vernetzung ermöglicht Wissen.

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Ergänzend zu dem Praxisdialog an den vier „Welt-Café-Tischen“ wurde als weiterer Impuls der Einblick in eine Wissensmanagement-Werkstatt vorgestellt und diskutiert. Das Interesse der Praktikerinnen und Praktiker an einem direkten Austausch miteinander ist groß – auch an IT-gestützter Vernetzung und Kommunikation. Eine Plattform mit qualitätsgesicherten trägerspezifischen und trägerübergreifenden Informationen über die Themen Rehabilitation und Teilhabe birgt viele Chancen. Vor allem die Mitgestaltung, Weiterentwicklung und Aktualität sind Anforderungen der Reha-Beraterinnen und Reha-Berater an ein solches Portal.

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Es zeigte sich ein reger und inhaltsstarker Dialog, der selbst in den Pausen nicht abflachte. Ausgetauscht wurden Erfahrungen und Sichtweisen sowie Kontakte – gelebte Vernetzung also. Das eigene Handeln zu schildern, zu reflektieren, fremdes Handeln zu hinterfragen und nach Übertragbarkeit und Spielräumen für flexibles Handeln zu suchen: das bereichert nicht nur die eigene Arbeit, sondern am Ende auch den trägerübergreifenden Rehabilitationsprozess. Auch die Mischung zwischen jüngeren und erfahreneren Praktikerinnen und Praktikern passte – denn sowohl das langjährige Know-How auf der einen Seite als auch die unkonventionelle und offene Herangehensweise auf der anderen Seite ergaben zusammen eine echte Bereicherung für die Arbeit in den Gemeinsamen Servicestellen.

Den Koffer gepackt mit neuen Kontakten und Anregungen war der Praxisdialog somit eine ideale Ergänzung zum Arbeitsalltag und den bisherigen trägerübergreifenden Fort- und Weiterbildungen. Für die BAR ist der Erfolg des Praxisdialogs ein klares Signal – mehr davon.