Gut beraten?

Trägerübergreifende Beratungsstandards – ein Blick in die Werkstatt der BAR

Ein zentraler Baustein jedes gelungenen Reha-Prozesses ist die Beratung. Im Kern geht es dabei um eine einzige Frage: Wie kann es gelingen, zielführend und systematisch individuelle Beratungskontexte der Rehabilitation für Menschen mit Behinderung aufzubauen? Mit den Themen Beratungsstrategien, -standards und Methodenkompetenz für Beraterinnen und Berater der Reha-Träger befasst sich eine Projektgruppe der BAR. Erste Ergebnisse liegen vor und damit eine Grundlage für das Handeln der Akteure. Doch wie gelingt es, auf Bundesebene und unter Beteiligung so unterschiedlicher Interessengruppen einen erfolgreichen Projektabschluss zu schaffen und zu gemeinsamen Ergebnissen zu gelangen?

Ein kleiner Blick in die „BAR-Werkstatt“ soll dies zeigen. Ein Beispiel dazu stellt die zweitägige Sitzung der Projektgruppe „Trägerübergreifende Beratungsstandards“ dar, die sich mit ihren Beratungen momentan „mittendrin“ befindet.

Foto von der Projektgruppe der Werstatt Beratung
Projektgruppe

Aufbauend auf grundlegenden Vorarbeiten der Geschäftsstelle der BAR, Beiträgen der Mitglieder der BAR und weiteren Verbänden und Organisationen liegen inzwischen Entwürfe für Teile einer Veröffentlichung vor. Sie befassen sich u.a. mit

  • den Grundlagen und Kriterien für gute Reha-Beratung durch Reha-Träger (Beratungsauftrag, Beratungsverständnis, Rahmenbedingungen)
  • dem Kompetenzprofil von Reha-Berater/-innen (Welche Fach-, Beratungs-, Soziale und Personale Kompetenz braucht es für eine gute Beratung?)
  • dem ethischen Selbstverständnis von Reha-Berater/-innen in ihrer jeweiligen Organisation
  •  der Frage, wie eine gute Beratungsqualität auch organisatorisch sichergestellt und wie dies in den Dimensionen der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität weiterentwickelt werden kann und
  • dem Außenverhältnis zu weiteren Beratungsangeboten durch andere Anbieter und in der Innenperspektive in Bezug auf die Aufgabenstellung in der jeweiligen Organisation insgesamt
Foto von den Ergebnissen der Projektgruppe Werstatt Beratung
Foto von den Ergebnissen der Projektgruppe Werstatt Beratung

Messen lassen müssen sich die Inhalte an den Erwartungen unterschiedlicher Akteure an trägerübergreifende Beratung. Nach Impulsen von betrieblichen Akteuren (Arbeitgeber, Gewerkschaften) und Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderung, war es dieses Mal Professor Hugo Mennemann von der Katholischen Fachhochschule Münster, der mit zwei Beiträgen aus wissenschaftlich-theoretischer Perspektive zu intensiven Diskussionen und neuen Erkenntnissen beitrug. Unter den Überschriften „Beratung in der Rehabilitation – Grundverständnis und Potentiale“ und „Ethik in der Beratung“ verortete er die bisherigen Ausarbeitungen in doppelter Weise neu. Überlegungen zur Organisations- bzw. Adressatenorientierung von Beratungsangeboten zeigen die Notwendigkeit, über das zu Grunde liegende Selbstverständnis Klarheit zu bekommen. Mit Blick auf die ethischen Grundlagen wie sie z.B. im Case-Management formuliert sind, können Spannungsfelder sicht- und beschreibbar gemacht werden, um so zu einem verantwortlichen, transparenten und auch selbstsorgenden Umgang durch die Beratungsfachkräfte zu kommen.

Foto von Prof. Dr. Hugo Mennemann
Prof. Dr. Hugo Mennemann

In einem Methodenmix von Impulsreferaten, themenbezogenen Diskussionen, dem Arbeiten an konkreten Teilaufträgen in Kleingruppen und dem Präsentieren von Zwischenergebnissen im Plenum hat sich die Projektgruppe u.a. intensiv befasst mit

  • der Bedeutung der Reha-Beratung im Reha-Prozess von der Bedarfserkennung bis zur Sicherung der Nachhaltigkeit von Leistungen
  • dem (Mehr-)Wert von Reha-Beratung sowohl mit Blick auf den Kunden als auch auf die Organisation
  • den ethischen Grundprinzipien trägerübergreifender Beratung
Fotos aus dem Arbeitsalltag der Projektgruppe Werkstatt Beratung
Fotos aus dem Arbeitsalltag der Projektgruppe Werkstatt Beratung
Fotos aus dem Arbeitsalltag der Projektgruppe Werkstatt Beratung
Fotos aus dem Arbeitsalltag der Projektgruppe Werkstatt Beratung
Fotos aus dem Arbeitsalltag der Projektgruppe Werkstatt Beratung
Fotos aus dem Arbeitsalltag der Projektgruppe Werkstatt Beratung

Mit der anschließenden Ergebnissicherung werden jetzt nach der zweitägigen Sitzung die bisherigen Ausarbeitungen von den verantwortlichen Projektleiter/-innen weiterentwickelt. Ziel ist es, bis zur nächsten Sitzung im Februar 2015 die einzelnen Bausteine in einem ersten Gesamtentwurf zusammenzuführen, um so im nächsten Jahr einen Konsens über die Inhalte zu erreichen.